Von Brigitte Kluin

 

Samstag, 01.07.

 

Am 1. Juli 2017 war es wieder soweit, die Campulung-Chaos-Crew startete zum diesjährigen Arbeitseinsatz im Shelter Asociatia Anima in Campulung/Rumänien. Am Samstagvormittag fuhren Janet, Beate2 und ich mit dem Auto nach Frankfurt zum Flughafen, wo wir Petra, Manuela, Sabrina und Sarah treffen wollten, um dann gemeinsam von Frankfurt nach Bukarest zu fliegen. Simone hatte später gebucht und musste deshalb alleine in einen anderen Flieger steigen. Wir waren früh genug gestartet, um auch rechtzeitig am Flughafen einzutreffen. Nach einem kleinen Stau und einem kleinen Regenguss und diversen Telefonaten sowie Whats-App Nachrichten, kamen wir dann auch endlich am Flughafen an, wo die anderen schon aufgeregt auf uns warteten. Sie hatten schon mal eingecheckt. Wir mussten in Frankfurt noch auf den Car-Service warten, der das Auto vom Flughafen abholen sollte. Dieser verspätete sich, warum auch immer und allmählich wurden alle noch nervöser. Wir hatten dieses Mal zwei „Neue“ dabei, die sowieso schon aufgeregt genug waren, weil sie nicht wussten, was auf sie zukommen würde. Als dann endlich das Auto abgegeben war, konnten auch wir zum Einchecken gehen. Und da war er wieder, dieser Moment, an dem uns wieder bewusst wurde, warum wir so heissen …. CCC Campulung Chaos Crew. Die Dame am Schalter teilte uns freundlich mit, dass wir drei keinen Sitzplatz im Flieger hätten, was nun? Sie meinte zwar, das LH-Team würde alles tun, damit wir doch noch mitfliegen könnten, konnte uns aber keine Garantie geben. Wir waren ziemlich ratlos, vier von uns hatten ihren Platz und drei sollten nicht mitfliegen? Wie sollte das gehen? Zumal wir ja auch alle zusammen 2 Mietwagen gebucht hatten. Also machten wir uns auf zu unserem Boarding-Gate; wir wollten unbedingt die ersten am Schalter sein, wenn er öffnete. Die Warterei zog sich unendlich hin. Eigentlich hätten wir noch zusammen gemütlich einen Kaffee trinken wollen. Endlich war es dann soweit und der Schalter öffnete und sieben Mädels mit den schönen schwarzen T-Shirts und deren bedeutungsvollem Aufdruck CCC …. blickten der LH-Mitarbeiterin erwartungsvoll in die Augen. Sie lächelte wieder und gab ….. Entwarnung !!! Was für eine Erleichterung bei uns allen; wir sind uns alle gegenseitig in die Arme gefallen. Jetzt konnte es endlich losgehen, unser Abenteuer in Campulung.

 

Als wir dann endlich im Zubringerbus saßen, kam die nächste Überraschung: 2 Personen mussten zur Kontrolle wieder aussteigen. Wieder eine Verzögerung. Die Fahrt zum Flieger kam uns unendlich lang vor. Sabrina fragte: fahren wir jetzt mit dem Bus nach Bukarest? Nein, irgendwann kamen wir dann doch bei unserem Flieger an und durften einsteigen. Wir waren alle erleichtert und zufrieden, als wir unsere Plätze eingenommen hatten. Das Flugzeug rollte zur Startbahn, der Flugkapitän begrüßte uns … wie schön dachten wir, aber er sagte etwas ganz anderes als erwartet. EIN GEPÄCKSTÜCK war im Flugzeug, was nicht drin sein durfte und deshalb mussten wir wieder zurück zum Ausgangspunkt. Was soll ich sagen? Wir heißen zwar Chaos Crew, aber was hatten wir mit diesem Gepäckstück zu tun? Es dauerte jedenfalls eine halbe Ewigkeit, bis wir wieder zurück waren und das unerwünschte Gepäckstück gefunden und ausgeladen war und wir endlich starten konnten.

 

In Bukarest angekommen, erwartete uns ein strahlend blauer Himmel und eine gefühlte Temperatur von 40 Grad sowie eine glückliche Simone, die bereits vor uns gelandet war, weil wir ja mit Verspätung ankamen. Nach der Begrüßung machten wir uns auf die Suche nach den Mitarbeitern unserer Autovermietung, die wir dann auch recht schnell fanden. Die beiden jungen Männer fuhren uns zum Geschäft der Autovermietung, welches sich außerhalb vom Flughafengelände befindet. Janet und ich gingen sofort zum Schalter und wollten die Formalitäten für die beiden gebuchten Autos erledigen. Die beiden jungen Männer waren sehr nett gewesen und man konnte sich auch ein wenig in Englisch mit ihnen unterhalten. Dieser Mann am Schalter der Autovermietung war ein „richtiger“ Rumäne, das heißt, er hatte die Ruhe weg. Es war mittlerweile Abend geworden und es begann zu dämmern. Eigentlich hätten wir vor der Dunkelheit in Campulung ankommen können ohne die ganzen Verspätungen. Jetzt hatten wir es mit einem rumänischen Mitarbeiter zu tun, der alle Zeit der Welt hatte und sich auch nicht beeilen wollte. Er telefonierte abwechselnd mit zwei Handy’s und starrte dann wieder auf seinen Laptop. Auf unsere Nachfrage, ob es ein Problem gäbe, hieß es nur, das System würde nicht funktionieren. Unsere Geduld wurde auf eine SEHR harte Probe gestellt. Die anderen Mädels, die draußen vor dem Geschäft auf uns warteten, wurden allmählich ungeduldig. Nach gefühltem stundenlangem Warten (tatsächlich waren es 1 ½ Stunden für zwei Mietwagen) hielten wir dann die Autoschlüssel in der Hand, die Autos wurden begutachtet und dann konnten wir einsteigen und endlich losfahren. Mittlerweile war es dunkel.

 

Wer schon einmal in Bukarest war, kann es nachempfinden. Man ist froh, wenn man die riesige Stadt mit dem ganzen Verkehr, den verflixten Kreiseln und den teils schlechten Straßen hinter sich lassen kann und sich auf der wenig befahrenen Autobahn nach Pitest befindet. Nach einem einmaligen kurzen „Verfahren“ aufgrund eines Ausfalls des Navi’s haben wir das ohne weitere Probleme geschafft. Wobei Sarah, unsere Fahrerin des zweiten Autos, ganz schön ins Schwitzen gekommen ist, weil sie immer auf das Auto vor uns (Janet mit Navi) achten musste. Ab Pitesti geht es dann auf der Landstraße weiter, die allerdings in den letzten Jahren sehr gut ausgebaut wurde, bis auf ein „paar“ Übergänge, an denen man dann an der roten Ampel ziemlich lange warten muss. Irgendwann mussten wir an einer Raststätte eine Pause einlegen und eine Kleinigkeit essen und trinken. Erstaunlicherweise haben wir während der ganzen Autofahrt nur sehr wenige Straßenhunde gesehen. Das war in den Jahren zuvor noch ganz anders. Wir waren alle sehr müde und froh, als wir dann endlich nach Mitternacht Campulung und unsere Pension „Casa Blanca“ erreichten.

 

Elke, Kate und Anika schliefen schon, als wir ankamen, nur Beate1 war noch wach und begrüßte uns freudestrahlend. Die Zimmerschlüssel waren ruck zuck verteilt und alle verschwanden ziemlich schnell in ihren Zimmern. Ich weiß nicht, wer von uns in dieser Nacht richtig gut geschlafen hat nach den ganzen Aufregungen und vor allem bei dem Gedanken an den nächsten Morgen im Shelter. Für unsere drei „neuen“ Mädels Beate2, Sabrina und Simone war es sicherlich kein erholsamer Schlaf, denn sie fieberten dem ersten Treffen mit all den Hunden und den Mitarbeitern im Shelter entgegen.

 

 

 

Sonntag, 02.07.

 

Am nächsten Morgen trafen wir uns dann alle gemeinsam zum Frühstück und Elke berichtete über die Ereignisse der vergangenen Woche, denn Elke, Beate1, Kate und Anika waren ja bereits seit einer Woche in Campulung. Iris, Christine und Helga, die auch schon eine Woche da waren, haben wir leider verpasst, weil sie am Samstagmorgen mit dem Auto die Heimreise angetreten haben.

 

Über den Baufortschritt des neuen Tierheims informierte uns Elke natürlich auch; obwohl es hierzu leider nicht nur Erfreuliches zu berichten gab. Aber das ist wahrscheinlich immer so bei einem so riesigen Projekt und dann noch in Rumänien und mit den Verständigungsschwierigkeiten. Aber es geht weiter voran und wir wollten uns auf jeden Fall in den nächsten Tagen gemeinsam von dem Baufortschritt vor Ort überzeugen.

 

Aber nach dem ausgiebigen Frühstück und den ganzen Neuigkeiten wollten wir jetzt erstmal zum Shelter, um „unsere“ Hunde und die lieben Menschen, die sich tagtäglich um unsere Hunde kümmern, zu begrüßen. Ich weiß nicht so richtig, wie ich es beschreiben soll, aber es ist irgendwie immer so, wie wenn man „nach Hause“ kommt und liebe Freunde wieder trifft. Dieser Moment, wenn man das Tor zum Shelter öffnet und die vielen Hunde kommen freudig angerannt und wollen allesamt gestreichelt werden. Man weiß gar nicht, wen man zuerst begrüßen soll. Da sind ja ganz viele, die man bereits seit Jahren kennt und einfach zum Shelter Asociatia Anima dazu gehören, wie zum Beispiel Villa, der immer an vorderster Front ist und den ich schon seit dem Sommer 2013 kenne. Es ist mir aber auch aufgefallen, dass manche, ältere Hunde, die man schon seit Jahren kannte, nicht mehr da waren. Der letzte Winter war sehr hart. Es ist sehr traurig, dass diese Hunde im Tierheim sterben müssen, ohne jemals die Geborgenheit und Fürsorge einer eigenen Familie kennen gelernt zu haben.

 

Nach weiteren zwei Türen kommt man in den Medi-Bereich und da wurden wir bereits erwartet von Iulian, dem Tierheimleiter, und natürlich von Dorin. Ich glaube, bei der Begrüßung sind wohl auf beiden Seiten ein paar kleine Freudentränchen geflossen. Und dann sind da die MitarbeiterInnen, die sich alle sehr freuen, dass man sich endlich einmal wieder sieht. Und ich denke, sie sind auch froh, wenn sie wenigstens ein paar Wochen im Jahr tatkräftige Unterstützung von uns bekommen. Nach der allgemeinen Begrüßung und der Vorstellungsrunde der drei Mädels Beate2, Sabrina und Simone, die das erste Mal dabei waren, ging es sogleich zum Tagesgeschäft über. Es war Sonntag und die Mitarbeiter haben früher frei, deswegen mussten wir uns beeilen und die Welpen und die kranken Hunde im Medi-Bereich füttern und die Boxen und Zwinger sauber machen, die Näpfe spülen, die Waschmaschine einschalten, Wäsche aufhängen und und und ….. Beate2, Sabrina und Simone packten sofort ganz selbstverständlich mit an, wo es nötig war.

 

Iulian zeigte uns drei winzig kleine Welpen ca. 6-8 Wochen alt, die morgens in einem Karton vor dem Shelter abgestellt worden waren. Das geschieht leider sehr häufig, aber es ist immerhin noch besser, als sie ihrem Schicksal irgendwo auf der Straße zu überlassen, wo sie in dem Alter sicherlich keine Überlebenschance gehabt hätten. Das ganze Fell der Kleinen war übersät mit Läusen. Janet beschloß, die Kleinen erst einmal zu baden und sie von den Läusen zu befreien. Eine Wanne mit warmem Wasser wurde besorgt und dann konnte es losgehen. Die Kleinen ließen alles geduldig über sich ergehen; es blieb ihnen aber ja auch nichts anderes übrig ….. Das Trockenrubbeln mit den Handtüchern hat ihnen richtig gut gefallen und danach fühlten sie sich sichtlich wohl in ihrer Box und haben ordentlich gefuttert und sich dann zu einem Verdauungsschläfchen zusammen gekuschelt.

 

Die drei kleinen Welpen waren aber nicht die einzige Überraschung für diesen Tag. Es hatte wohl eine Beißerei in einem Zwinger gegeben und eine Hündin hatte es richtig böse erwischt. Der ganze Körper war voller Wunden. Um aber überhaupt an die Wunden heran zu kommen, musste erst einmal das Fell geschoren werden. Dann erst wurde das ganze Ausmaß sichtbar. So kam Sarah, unsere Human-Medizinerin, die sich mittlerweile aber schon sehr gut in der Tiermedizin auskennt ;-) , schon am ersten Tag zu einem Großeinsatz. Stundenlang hat sie die Wunden gesäubert und genäht, natürlich nach der Sedierung und Schmerzmittel und Antibiotika verabreicht. Danach konnte man nur hoffen und beten, dass sie es überlebt.

 

In der Zwischenzeit waren Elke, Beate2 und Kate mit zwei Parvo-Welpen, denen es sehr schlecht ging, beim Tierarzt.

 

Nach diesen Erlebnissen an dem etwas kurzen ersten Tag im Shelter machten wir uns mit gemischten Gefühlen auf den Weg zurück zu unserer Pension. Vieles war einem schon so vertraut und so vieles war schon verbessert worden in den letzten Jahren, worüber man wirklich froh sein konnte. Es sind längst nicht mehr so viele Hunde im Shelter wie noch vor Jahren, einige versterben eines natürlichen Todes. In den letzten Jahren konnten sehr viele Hunde über befreundete Vereine ausreisen und vermittelt werden. Es konnten dank der Unterstützung unserer Freunde und Förderer viele neue Zwinger und Hütten gebaut werden, damit die Hunde zumindest ein Dach über dem Kopf haben und besser getrennt werden können, damit es nicht mehr so viele Beißereien gibt. Die Welpen und Junghunde sowie alle Hunde, die neu ins Tierheim kommen, werden geimpft und entwurmt. Die Impfung ist besonders wichtig für die Kleinen, damit sie sich nicht mit Staupe und Parvovirose anstecken. Die Überlebenschancen der Hunde sind seit der regelmäßigen Impfung enorm gestiegen. Und auch durch das tägliche qualitativ gute Futter ist die Lebensqualität der Hunde gestiegen. Das wichtigste sind jedoch die Kastrationen, damit nicht noch mehr Tierleid entsteht. Und trotzdem bin ich unendlich traurig, wenn ich so viele tolle liebe Hunde sehe, die ein besseres schöneres Leben verdient hätten und wahrscheinlich nie die Möglichkeit haben werden, jemals dieses Tierheim zu verlassen. Deshalb ist es so enorm wichtig, dass das neue Tierheim so schnell wie möglich fertig gestellt werden kann, damit diese tollen Hunde wenigstens in einer sicheren Umgebung untergebracht sind. Aber auch für die Mitarbeiter wird es sicherlich ein angenehmeres Arbeiten sein im neuen Tierheim.

 

An diesem ersten Sonntag-Nachmittag machten wir alle gemeinsam einen Ausflug zum Staudamm . Das Wetter war schön und die Fahrt ging durch wunderschöne Landschaften und typische rumänische Dörfer, bei denen man teilweise den Eindruck hat, als wäre hier irgendwann die Zeit stehen geblieben. Kühe, Pferde und Schafe, die mitten auf der Straße laufen oder am Straßenrand grasen, sind keine Seltenheit. Die älteren Dorfbewohner sitzen auf einer Bank vor dem Haus oder am Straßenrand. Am auffälligsten sind jedoch die vielen Pferdefuhrwerke, die man bei uns in der Art gar nicht mehr antrifft. Mit den teilweise alten und klapprigen Fuhrwerken wird alles Mögliche transportiert wie Heu, Holz, Möbel, Obst und Gemüse, einfach alles. Genauso alt und klapprig sehen die Pferde teilweise auch aus; oftmals sind sie viel zu dünn und müssen täglich harte Arbeit leisten.

 

Wir machten Rast in einem Restaurant, um den Tag mit einem gemeinsamen Essen ausklingen zu lassen. Beim Studieren der Speisekarte wurde es allerdings lustig, denn nur die >wenigsten< von uns können Rumänisch. Also mussten Elke und Janet uns erst einmal aufklären, was es alles gab. Man kann sich sicher in etwa vorstellen, wie dann die Bestellung für 12 Personen bei einem Kellner verlief, der nur rumänisch versteht ;-) . Doch letztlich bekam jede von uns etwas zu essen und einen Weißwein oder Rotwein bestellen, funktioniert auch ganz ohne Rumänisch-Kenntnisse ….

 

Zurück in unserer Pension wollten wir uns alle noch einmal zu einem Gläschen Wein vor dem Schlafengehen im 4er-Zimmer treffen. Mittlerweile war ein heftiges Gewitter aufgezogen und es regnete in Strömen. Bei uns sagt man, ein Wetter, bei dem man keinen Hund vor die Tür jagt. Das dachte sich wohl auch die Hündin, die auf einmal unbemerkt in die Pension geschlichen war und von Janet in ihr Zimmer >gerettet< wurde. Dort lag sie jetzt auf einem Handtuch und rührte sich nicht vom Fleck. Sie hatte wohl für sich beschlossen, hier zu bleiben, wo sie sich anscheinend sicher fühlte, und niemand von uns brachte es übers Herz, sie bei dem Wetter wieder vor die Tür zu setzen. Wir wollten den nächsten Morgen abwarten; dann musste sie allerdings wieder gehen, weil in der Pension keine Hunde erlaubt sind ;-) . Also blieb Blanca, so nannten wir sie, weil wir im >Casa Blanca< wohnen, ganz selbstverständlich über Nacht bei Janet und Beate2 im Zimmer.

 

 

Montag, 03.07.

 

Am nächsten Morgen regnete es immer noch und wir warteten alle gespannt beim Frühstück auf Janet und Beate2. Sie mussten ja in aller Frühe unbemerkt von unserer Nana (Pensions-Wirtin) die Übernachtungshündin Blanca aus dem Zimmer schaffen. Da sie gut genährt aussah und wohl auch geduldet war an ihrem Stammplatz, fiel der Abschied zwar schwer, aber in der Freiheit ist es auf jeden Fall besser als in einem Zwinger im Tierheim.

 

So machten wir uns nach einem reichhaltigen rumänischen Frühstück, nicht ohne die üblichen Leckerchen in Form von Wurst, Käse und Rühreiern für die Hunde im Medi-Bereich, auf den Weg zum Shelter. Doch zuvor trafen wir uns noch auf der Treppe vor unserer Pension für ein Gruppenfoto mit einem lieben Gruß an unsere daheimgebliebene Petra S., die leider aus gesundheitlichen Gründen nicht mitkommen konnte.

 

Unser Tag im Shelter begann mit der traurigen Nachricht, dass die schwer verletzte Hündin vom Vortag es leider nicht geschafft hatte … run free …

 

Ein Regentag im Shelter ist nicht angenehm, besonders für die Hunde nicht, aber auch für die Mitarbeiter und für uns. Nach 5 Minuten sieht man aus wie durch den Schlamm gezogen. Alle machten sich an die täglichen Routine-Arbeiten wie Welpen und kranke Hunde füttern und Boxen sauber machen, Näpfe spülen usw. Und dann kam auch schon eine schöne Bescherung in Form von sage und schreibe 13 Welpen auf einen Schlag ;-( Zumindest brachte der Besitzer die beiden Hündinnen gleich mit zum Kastrieren. Wieder einmal ein große Herausforderung für Iulian und die Mitarbeiter, so viele neue Welpen unterzubringen, wo doch so schon jedes Fleckchen im Shelter ausgenutzt ist. Aber es nützt ja nichts, wenn sie da sind, müssen sie versorgt und untergebracht werden. So machten sich Elke, Iulian und Daniel sich daran, alle 13 zu impfen und zu entwurmen. Ein schönes Plätzchen für die 13 Newcomer wurde dann auch noch gefunden.

 

An so einem Regentag kann man im Shelter nicht wirklich viel ausrichten und so entschlossen wir uns, die sowieso fällige Aufräumarbeit im Storage-Room in Angriff zu nehmen. Wie der Name schon sagt, wird im Storage-Room alles gelagert, was man so braucht. Hauptsächlich natürlich das Trockenfutter, die Futter-Dosen und Hundekekse und Leckerlies, Hundekäfige und Boxen, Werkzeug und Baumaterialien und alle sonstigen Spenden wie Decken, Handtücher, Bettwäsche, Unterlagen und Kleidung und Schuhe für die Mitarbeiter. Wenn die Spenden ankommen, hat logischerweise niemand im Shelter Zeit, die Sachen zu sortieren. Dann muss nur schnell alles abgeladen werden. Wir haben uns die Zeit genommen und alle Spenden sortiert und die Kartons beschriftet, damit die Shelter-Mitarbeiter es einfacher haben.

 

Eine andere Gruppe von uns hatte sich die Medikamente im Medi-Container vorgenommen, die auch ab und zu nach Verfallsdatum kontrolliert und sortiert werden sollten. Auch die neu gespendeten Medikamente mussten ja einsortiert werden. Und der Kühlschrank mit den Impfstoffen wird auch gereinigt.

 

Am Morgen hatten wir noch einen sogenannten fliegenden Wechsel im Zimmer 2: Kate und Anika waren morgens abgereist und am späten Nachmittag waren Jessica und Maria angekommen. Abends waren wir dann alle zusammen in der Pizzeria essen; eine schöne Abwechslung zum reichhaltigen rumänischen Essen. Uns fiel eine hübsche Glückskatze (tricolor) auf, die in der Pizzeria zu Hause war und unter anderem auch von den Gästen gefüttert wurde. Die Bedienung erzählte uns, dass sie erst vor kurzem Nachwuchs gehabt hätte und wahrscheinlich würde sie in diesem Jahr sicher noch einmal wieder Junge bekommen. Wir haben angeboten, die Katze auf unsere Kosten kastrieren zu lassen und das Angebot wurde erfreulicherweise gleich angenommen. Also versprachen wir, die Katze am nächsten Tag abzuholen.

 

 

Dienstag, 04.07.

 

Gesagt getan, wir holten die Katze am nächsten Morgen von der Pizzeria ab und brachten sie zum Tierarzt. Wir waren überhaupt täglich beim Tierarzt; es gab immer wieder kranke Hunde bzw. Hunde, die kastriert oder gechipt werden mussten. Die beiden Parvo-Welpen mussten auch wieder zur Infusion zum Tierarzt, wobei es dem einem sehr schlecht ging. Außerdem hatten wir in einer Welpen-Gruppe eine kleine Hündin entdeckt, der es auch nicht gut zu gehen schien. Sie lag apathisch in der Ecke und mochte nicht mit den anderen spielen. Wir separierten sie von den anderen Welpen und setzten sie in eine Box im Medi-Container. Unser Doc Sarah entschied, dass auch diese Maus mit zum Tierarzt musste. Dr. Zidaru erklärte uns, dass sie sich mit Staupe infiziert hätte und täglich Infusionen benötigte.

 

Wieder zurück im Shelter wurde durch lautes Gebell der Futter-Transporter angekündigt. Das ist immer ein glücklicher Moment für Iulian und die Mitarbeiter, wenn sie sicher sind, dass ausreichend Futter für die nächsten Tage vorhanden ist. Sie sind ständig in Sorge, ob auch genügend Spenden eingehen, um rechtzeitig wieder Futter bestellen zu können. Es wäre nicht auszudenken, wenn wir nicht in der Lage wären, genügend Futter für die ca. 900 Hunde zu finanzieren. Die Hunde müssten hungern ….. irgendwie mag man sich dieses Szenario nicht vorstellen ….. Der Futter-Transporter fuhr bis vor den Storage-Room und schon packten alle mit an: der Fahrer des Transporters, die Mitarbeiter und natürlich wir ;-) Es wurde eine Schlange gebildet und in null Komma nichts waren 3,5t Trockenfutter abgeladen und im Storage-Room aufgestapelt. Dabei kann man ganz schön ins Schwitzen kommen. Wenn man den Berg dann so betrachtet, denkt man, oh das reicht jetzt wieder für eine Weile. Aber leider ist nach 10 Tagen nichts mehr davon übrig. Aber an diesem Tag waren wir erst einmal glücklich, auch darüber, dass wir die Ladung mit dem Geld aus Janet’s Spendenaufruf für unseren Arbeitseinsatz komplett bezahlen konnten.

 

Ich begleitete an diesem Tag Elke bei ihren zahlreichen Unternehmungen. Zunächst einmal mussten wir unbedingt im Kaufland Welpenfutter einkaufen, weil fast nichts mehr vorrätig war. Bezahlen konnte ich diesen Einkauf zum Glück von meinem mitgebrachten Spendengeld. Im Kaufland wurde Elke von einem Rumänen angesprochen, den sie bei einer Kastration seiner Hunde kennengelernt hatte. Die beiden unterhielten sich angeregt auf Rumänisch, wovon ich leider nicht viel verstanden habe. Dann mussten wir drei Welpen bei Frau Daje abholen und mit ihnen zum Tierarzt, bei dem wir sowieso täglich ein und aus gingen. Danach mussten sie wieder zurück zu Frau Daje, die sich bereit erklärt hatte, diese kleinen bei sich aufzunehmen, bis sie ausreisen konnten. Auf dem Weg zurück entdeckten wir eine kleine weiße pudelartige Hündin panisch durch die Straßen irren. Oh je sagte Elke, die ist mir vor ein paar Tagen schon einmal aufgefallen. Wir suchten eine geeignete Stelle zum Parken und versuchten, die Hündin einzufangen. Das war gar nicht so einfach, sie rannte vom Bürgersteig einfach auf die Straße und dann wieder zurück, beinahe wäre sie dabei überfahren worden. Wir konnten leider nicht so schnell rennen. Mittlerweile waren noch andere Passanten auf uns und die verfolgte Hündin aufmerksam geworden, die sich leider auch vergeblich bemühten, sie einzufangen. Während der Verfolgung begegneten wir zufällig Dorin und er versprach, sich um das Einfangen der Hündin zu kümmern. Eine Passantin hatte zwischenzeitlich Elke angesprochen und gefragt, woher wir kämen und was wir hier machen würden. Elke berichtete ihr von unserem Verein, vom Tierheim Asociatia Anima und von unserer kostenlosen Kastrationsaktion und sie war sehr angetan davon und nahm dankbar unsere Flyer an mit dem Versprechen, sie an Verwandte und Bekannte zu verteilen.

 

Es ist sehr wichtig, dass die Bevölkerung in Campulung die deutschen Tierschützer und ihre Aktivitäten wahrnimmt. Sehen und gesehen werden ist die Devise von Elke und diese Devise scheint richtig zu sein, denn immer mehr Menschen finden von sich aus den Weg zum Shelter und geben ihre Welpen ab, anstatt sie auf die Straße zu setzen, und immer mehr Menschen kommen und lassen ihre Hündinnen kastrieren. Wir sind also auf dem richtigen Weg, auch wenn noch längst nicht alles so läuft, wie wir es uns wünschen würden.

 

Das Telefon klingelte, als wir gerade zum Markt fahren wollten, um Obst für die Mitarbeiter einzukaufen. Es war Dorin, der die kleine Hündin mit dem Blasrohr betäubt und sie bereits ins Shelter gebracht hatte. Schnell besorgten wir verschiedene Sorten Obst für die Mitarbeiter. Wir hatten leider keine Zeit, um uns länger dort aufzuhalten, aber der Obst- und Gemüsemarkt ist sehr einladend und noch sehr ursprünglich. Wir fuhren schnell zum Shelter zurück und lieferten das Obst bei den Mitarbeitern ab, die sich sehr darüber gefreut haben. Elke meinte, wenn die Hündin sowieso schon betäubt ist, können wir sie auch gleich zum Kastrieren zum Tierarzt bringen. Gesagt, getan, Hündin wieder eingeladen und zum Tierarzt gebracht. Ihr Fell war ziemlich verdreckt und verfilzt und deshalb wurde sie vor der Kastration auch noch schnell geschoren. Die Nacht durfte sie dann im Zimmer von Elke und Beate1 verbringen.

 

Jetzt stand noch der Besuch bei der älteren Dame auf dem Plan, deren beide Hündinnen in der letzten Woche kastriert worden waren und die jetzt noch geimpft werden sollen. Sie wohnte seit dem Tod ihres Mannes allein in einem kleinen Häuschen auf einer Anhöhe. Sie erzählte uns, dass es die Straße zu ihr hinauf erst seit 2 Jahren gab und dass sie und ihre Nachbarn erst seit 4 Jahren fließend Wasser hatten. Man kann sich gar nicht vorstellen, wie beschwerlich das Leben vorher gewesen sein muss. In ihrem Garten duftete es herrlich nach Rosen und anderen Blumen. Sie bat uns ins Haus und rief nach den beiden Hündinnen, damit Elke sie behandeln konnte. Es hat uns beide sehr berührt und gefreut zu sehen, wie liebevoll sie mit ihren Hunden umging und wie dankbar sie sich für die Behandlung der beiden zeigte. Sie ließ es sich nicht nehmen, uns ein paar Rosen mitzugeben. Wir sollten noch in den nächsten Tagen die Katze ihrer Nachbarin zum Kastrieren abholen, was wir natürlich auch gemacht haben, die dann eine Nacht bei Elke im Bett verbringen durfte. Es war schon ziemlich spät geworden, als wir endlich zurück kamen in die Pension, wo die anderen schon warteten, um gemeinsam zum Essen zu gehen.

 

Janet mußte am späten Nachmittag noch die Glückskatze vom Tierarzt abholen. Da wir sie nicht direkt wieder nach der Kastration draußen absetzen konnten, durfte sie in der Pension bei Janet und Beate2 übernachten, was sie sichtlich genossen hat. Am nächsten Tag haben wir sie allerdings wieder in ihre Pizzeria zurückgebracht, wo sie schon erwartet wurde und die Besitzer froh waren, dass sie jetzt nicht mehr mehrmals im Jahr mit Katzen-Kindern konfrontiert werden.

 

 

Mittwoch, 05.07.

 

Wie jeden Morgen nach dem üppigen Frühstück bei unserer Nana in der Pension starteten wir mit gut gefüllten Tüten mit den Resten vom Frühstück (das musste immer unbemerkt von unserer Nana passieren ;-) ) zum Shelter. Die Hunde im Medi-Bereich freuten sich immer ganz arg über diese besonderen Leckerbissen.

 

Im Shelter machten sich alle wie immer an die täglichen Tätigkeiten wie Welpen füttern, Boxen und Käfige/Zwinger reinigen, Näpfe spülen, Medikamente verabreichen und natürlich mussten auch erst einmal alle Hunde begrüsst und geknuddelt werden; dafür muss auch Zeit sein. Manche Hunde hatten Husten und bekamen über mehrere Tage morgens ihre Tablette, die wir dann in Wurst- oder Käsestückchen versteckten und schon klappte die Medikamentengabe ganz ohne weitere Probleme ;-). Doc Sarah und ich schauten zuerst nach unserer kleinen Staupe-Patientin im Medi-Container. Sarah musste eine neue Infusion legen, sie wirkte immer noch sehr schlapp und apathisch. Aber sie frass trotzdem ein wenig von dem Nassfutter und trank auch ein wenig Wasser. Danach verzog sie sich wieder in ihre Kuschelecke in der Box, die ich natürlich vorher sauber gemacht hatte. Wir sahen mehrmals täglich nach ihr und hofften und beteten insgeheim, dass sie es schaffen sollte. Der Parvo-Welpe hatte es leider nicht geschafft und war am frühen Morgen über die Regenbogenbrücke gegangen.

 

An diesem Morgen machten sich Manuela, Janet und ein paar andere zusammen mit Iulian auf den Weg zum Baumarkt, um Material zu besorgen, da einige Zwinger und deren Dächer repariert werden mussten. Manuela hatte ja auch Spendengelder gesammelt und konnte das Material damit bezahlen. Iulian war natürlich sehr glücklich darüber, dass er endlich die dringend notwendigen Reparaturen vornehmen konnte.

 

Später am Tag kam Dorin und brachte zwei Rüden. Einer der beiden total verfilzt wurde auf einmal nicht mehr in seiner Straße geduldet und Dorin mußte ihn einfangen. Da er zum Einfangen sein Blasrohr verwendet hatte, war der Hund noch betäubt und konnte im Shelter dann gleich von seinem Filz befreit werden.

 

Der andere Rüde stammte von einem älteren Mann, der sich wohl um seinen Hund nicht mehr kümmerte. Er hatte Dorin gegenüber erklärt, dass er vergessen hätte, seinen Hund zu füttern. Wie kann so etwas passieren? Wir wissen es nicht …… Was wir da zu sehen bekamen, kam man kaum beschreiben. Ein völlig abgemagerter Hund ;-( an dem eine schwere Eisenkette hing, die nur mühsam mit einem Bolzenschneider von Iulian und Fane durchtrennt werden konnte. Danach wurde das ganze Ausmaß der Verletzung sichtbar. Die Kette war wohl schon seit längerer Zeit regelrecht ins Fleisch eingewachsen. Was muss der arme Kerl Schmerzen gehabt haben ….. Dieser arme Tropf ließ alles geduldig ohne Betäubung mit sich machen. Nach der Entfernung der Kette begann Sarah mit einigen anderen mit der Wundsäuberung; vorher hatte er aber ein Schmerzmittel bekommen. Nachdem die Wunden versorgt und verbunden waren, kam er in einen Käfig, den wir zuvor mit Fliegengitter abgedichtet hatten, damit er bei der Hitze vor den Fliegen geschützt war. Wir gaben ihm später den Namen Filou und Filou war sehr dankbar und glücklich über seine Rettung. Er bekam Wasser und Futter und durfte sich dann endlich von den Strapazen erholen.

 

 

 

Es dauerte nicht lange und der nächste Patient wurde >eingeliefert<, ein Rüde mit einem sehr starken Hautproblem. Durch das Jucken hatte er bereits angefangen, seinen eigenen Schwanz abzubeißen. Es war ein trauriger Anblick. Auch dieser Hund war unglaublich geduldig bei seiner Behandlung. Er mußte während dessen nicht einmal einen Maulkorb tragen. Er wurde geschoren und Doc Sarah versorgte seine Wunden. In der Zwischenzeit mußte schnell im Medi-Bereich ein Zwinger für ihn hergerichtet werden, denn mit diesen Wunden mußte er unbedingt unter Beobachtung bleiben.

 

Zum Glück fanden wir in unserem Futterlager ein Spezialfutter für Hunde mit Hautproblemen. Er hatte großen Hunger und wie man sieht, löste er auch das Problem, mit dem Halskragen an seinen Futternapf zu kommen ;-)

 

 

Donnerstag, 06.07.

 

Noch vor dem Frühstück klopfte Elke bei jedem von uns an die Tür und erzählte uns, dass Beate1 heute Geburtstag hätte. Gut zu wissen, dachten wir, denn sie selbst hatte es uns vorher nicht verraten. Sie wünschte sich zum Geburtstag, wie kann es anders sein ;-) Futter für die Hunde! Also sammelte Elke schnell bei jedem ein paar Lei ein und überreichte Beate den gut gefüllten Umschlag beim Frühstück. Beate war total überrascht und freute sich riesig über ihr „Geschenk“.

 

Im Shelter angekommen, schauten wir wie jeden Morgen als erstes nach unserem Sorgenkind „Tonic“ (den Namen Tonic erhielt sie, weil sie so viel Infusionen bekam). Es hatte den Anschein, als würde es ihr besser gehen, aber sie war noch nicht über dem Berg. Auch Filou bekam von Sarah einen Verbandswechsel und unser „Hauthund“ wurde auch begutachtet. Beiden ging es schon wesentlich besser und sie hatten ordentlich Hunger und frassen gut.

 

Am Vormittag wurde Dorin vom Bürgermeister angerufen. Anwohner hatten ihm mitgeteilt, dass sich ein großer schwarzer Hund in einem Wohnblock verirrt hatte. Er war wohl vor dem schweren Gewitter in den Hausflur geflüchtet und saß jetzt im 6. OG im Flur verängstigt in einer Ecke. Dorin mußte ihn mit dem Blasrohr betäuben. Später im Shelter kam er erst einmal in eine Box im Medi-Bereich, wie alle Neuzugänge. Er war total durch den Wind und wußte nicht, wie ihm geschah. Vor lauter Stress verweigerte er den ganzen Tag das Futter, was sich aber am nächsten Tag schon änderte.

 

Danach fuhren Dorin und Janet in das Dorf Cheile Dambovicioarei, um dort 3 Hündinnen samt Welpen abzuholen. Die Hündinnen sollten kastriert und dann wieder zurückgebracht werden zum Besitzer; die Welpen blieben allerdings bei uns Shelter. Schon wieder neue Welpen; sie konnten allerdings schon selbständig fressen. Janet entdeckte dann noch eine Jungkatze und packte sie auch noch mit ein zum Kastrieren, worüber sich der Besitzer sehr dankbar zeigte. Es wurde verabredet, dass am nächsten Tag die andere Katze, die momentan Junge hatte, auch zum Kastrieren mitgenommen werden sollte.

 

Morgens beim Frühstück hatten wir gemeinsam beratschlagt, wie wir mit dem Tumor von Lula, meiner Patenhündin, verfahren sollten. Es gab ja verschiedene Alternativen, entweder den Tumor in Rumänien herausoperieren oder Lula erst in Deutschland operieren zu lassen. Aber es war fraglich, ob wir so schnell ein Zuhause in Deutschland für Lula finden würden. So entschieden wir uns für die Operation vor Ort. Da es sich um meine Patenhündin handelte, lag sie mir natürlich besonders am Herzen und ich wollte unbedingt bei der OP dabei sein, obwohl ich dann letztendlich im Wartezimmer sitzen blieb und nicht zusehen konnte. Doc Sarah allerdings war hautnah dabei und assistierte Dr. Zidaru bei der Operation, der sehr angetan war von >seiner Assistenzärztin<. Die zwei hatten viel Spaß während der OP wie man sieht.

 

Überhaupt geht es in rumänischen Tierarztpraxen sehr viel lockerer zu als bei uns. Die Besitzer dürfen während einer Operation zuschauen und man unterhält sich nebenher über alles Mögliche.

 

An diesem Nachmittag entschlossen wir uns kurzfristig noch zum Gelände des neuen Tierheims zu fahren, obwohl es schon recht spät geworden war. Aber die Tage flogen nur so dahin und wir hatten immer noch nicht gesehen, wie weit unser Projekt voran geschritten war. Vor allen Dingen waren unsere drei neuen Mädels Beate2, Sabrina und Simone sehr gespannt. Auch Petra, genannt Peetze, Jessica und Maria hatten das neue Tierheimgelände noch nicht gesehen.

 

Elke erzählte allen die ganze Geschichte. Warum und weshalb wir das alte Tierheimgrundstück verlassen müssen, wie viele Besuche beim Bürgermeister sie tätigen mußte, bis der Vertrag für das neue Grundstück unter Dach und Fach war, wie oft sie und der Vorstand des FK sich mit dem Bauunternehmer und dem Architekten treffen mußten, bevor der endgültige Bauplan fertig gestellt war, wie viele Höhen und Tiefen es während der einzelnen Bauphasen gab, wie groß die finanzielle Belastung des Tierheimneubaus für den Verein ist, wie groß auch die Verantwortung für das Vorhaben ist, von dem das Leben von ca. 900 Hunden abhängt, wie viele Zwinger für wie viele Hunde vorgesehen sind, welche Schritte als nächstes geplant sind, welche Bauphasen bereits abgeschlossen sind, wie viel Geld wir bereits für dieses Projekt ausgegeben haben, wo sich die Wasseranschlüsse und die Abwasserrinnen befinden, wo das Fäkalienloch platziert werden soll, wo und wie groß die Quarantänestation gebaut werden soll, wie viele Container für Futterlagerung und als Behandlungsraum für die Hunde, als Aufenthaltsraum für die Mitarbeiter usw. benötigt werden, wie die Hundezwinger aussehen werden und wer sie bauen soll, wie hoch in etwa Kosten sein werden, die noch auf uns zu kommen, und wann in etwa der Umzug der Hunde stattfinden kann, wenn alles wie geplant weitergeht. Aber was läuft in Rumänien schon wie geplant?

 

Wir hörten alle gespannt zu, es gab viele Fragen, aber Elke hatte immer eine Antwort auf alle Fragen. Wir besichtigten das gesamte Gelände ausgiebig; es ist riesig, wobei ja nur ein Teil des Geländes auch wirklich bebaut wird. Für die Zukunft besteht die Aussicht, dass es für die Hunde auch Auslaufflächen geben wird. Platz ist jedenfalls genügend vorhanden. Wenn einmal alles fertig ist, wird es für die Hunde ein wirklich besserer Ort zum Leben sein. Aber bis dahin ist es noch ein steiniger Weg.

 

Obwohl ich ja auch schon letztes Jahr und vorletztes Jahr dieses Gelände besichtigt hatte, war ich dieses Mal total überwältigt und ich glaube, es ging nicht nur mir so. Überwältigt von der Größe der Anlage, überwältigt sowohl vom Fortschritt des Projektes als auch von den damit verbundenen Problemen und überwältigt von den hohen Kosten, die noch auf uns zu kommen. Und letztendlich überwältigt von der Verantwortung für dieses Projekt, von dem so viel abhängt, in das die Tierheimleitung, die Mitarbeiter des Tierheims, der Bürgermeister und die Bevölkerung von Campulung und auch unsere Spender, Förderer und Sponsoren so große Hoffnungen setzen. Diese ganze Verantwortung zu tragen, ist sicher nicht immer leicht und es erfordert viel Mut, Kraft und Ausdauer.

 

An diesem Abend waren wir alle fix und fertig und gingen zeitig schlafen, aber nicht bevor wir uns zu einem gemeinsamen Essen in einem schönen Restaurant trafen und mit einem (oder zwei?) Glas Wein bzw. Bier etc. auf das Gelingen unseres gemeinsamen Projektes anstießen.

 

 

Freitag, 07.07.

 

Am nächsten Morgen mußte die Katze nach der Kastration beim Tierarzt abgeholt und wieder zum Besitzer zurückgebracht werden. Dabei wurde dann auch noch ein Welpe gefunden, der sich am Tag zuvor versteckt hatte. Er kam mit ins Shelter zu seinen Geschwistern.

 

Freitags ist immer Reisetag und so liefen bereits die Vorbereitungen für einige Hunde, die nach Deutschland ausreisen durften. Sie bekommen ein Halsband angelegt und die Chip-Nummer wird noch einmal geprüft, damit auch der richtige Pass zum richtigen Hund mitgegeben wird. Dann kommen sie in eine Transportbox und werden von Dorin im Tierheim-Auto zum Treffpunkt gefahren. An diesem Freitag waren es vier Glücksfellchen.

 

Die Hunde wissen nicht, was sie erwartet und sind natürlich aufgeregt. Aber Iulian, Dorin und alle Mitarbeiter freuen sich für jeden Hund, der ausreisen darf in ein besseres Leben. Obwohl sie jeden Hund im Shelter lieben und gut versorgen, wissen sie doch, dass es den Hunden in einer eigenen Familie auf jeden Fall besser geht. Sie sind immer ganz happy, wenn sie Fotos, Videos und Berichte von ihren ehemaligen Schützlingen im neuen Zuhause bekommen und sind stolz auf sie und präsentieren diese Berichte und Bilder auf der Facebook-Seite von Asociatia Anima, damit die rumänische Bevölkerung sehen kann, das aus einem rumänischen Straßen- oder Kettenhund ein wunderbarer Familienhund werden kann.

 

Der Chow Chow Brownie sollte für seine Ausreise nach Deutschland auch noch ein wenig „hübsch“ gemacht werden. So wurde er kurz entschlossen auf einen provisorischen Tisch gelegt und von den Mädels von einem nicht unerheblichen Teil seines Fells befreit. Ich könnte mir vorstellen, er hat sich hinterher wesentlich wohler gefühlt bei den Temperaturen von täglich zwischen 30 und 38 Grad ;-)

 

Es gibt im Shelter eine Menge von Hunden mit einem total verfilzten Fell. Manche lassen sich anfassen, aber nicht bürsten, zum Teil wohl auch, weil sie es einfach nicht kennen. Manche sind froh und genießen dabei sogar die Aufmerksamkeit, die man ihnen schenkt. Man könnte sich tage- und wochenlang nur mit solchen Hunden beschäftigen.

 

Im Bereich neben dem Medi-Container entdeckten wir eine Hündin mit langen, bereits eingewachsenen Krallen und einem verfilzten Fell, dem man nur noch mit einer Schermaschine Herr werden konnte. Der vordere Teil des Hundes wurde nicht geschoren, weil er nicht so schlimm verfilzt war. Sie sah zwar hinterher etwas >merkwürdig< aus, aber ganz sicher hat sie sich besser gefühlt. Gebadet und trockengerubbelt wurde sie dann auch noch, was sie alles ganz geduldig über sich ergehen ließ. Nachdem dann noch die Krallen geschnitten waren, durfte sie wieder zurück zu ihren Kumpels in ihr Gehege.

 

Am Shelter-Tor erschien ein Mann mit einer ganz süßen Hündin, die er abgeben wollte, weil sie nach dem Umzug in eine andere Wohnung nicht mehr geduldet wurde. Sie kam in eine freie Box im Medi-Bereich und zeigte sich total verängstigt, was ja auch kein Wunder ist. Eben noch glücklich bei ihrer Familie und jetzt in einem winzigen Käfig mit fremden Menschen und hunderten von Hunden umgeben. Da darf man dann schon mal total durch den Wind sein und die Welt nicht mehr verstehen. Sie verweigerte lange Zeit Wasser und Futter. Wir boten ihr immer wieder Hundefutter und Leckerlies an, aber sie wollte einfach nicht fressen.

 

 

 

An diesem Abend hatten wir eine Einladung zum Abendessen in das Haus von Frau Daje. Die Abende im Hause Daje sind immer ein ganz besonderes Highlight während des Aufenthaltes in Campulung. Wir mussten uns also sputen, schnell vom Shelter in unsere Pension zum Duschen und Umziehen und dann noch ins Kaufland, um einige Mitbringsel für Frau Daje und ihre Hunde einzukaufen. Im Haus von Frau Daje leben auch einige Hunde aus dem Shelter, die uns bei unserem Eintreffen lautstark ankündigten. Von Frau Daje wurde dann jeder einzelne von uns überaus herzlich empfangen. Da Frau Daje nur rumänisch spricht und ihre Tochter Oana leider nicht da war zum Übersetzen, musste Iulian an diesem Abend diese Rolle übernehmen. Mit Händen und Füßen und viel Lachen klappt die Unterhaltung aber bestens. Einige von uns waren ja schon öfter zum Essen dort und wir hatten die anderen vorgewarnt, sich bei der Vorspeise zurückzuhalten. Nach der Vorspeise und mehreren Zwischen- und Hauptgängen wussten sie dann auch, warum. Es wurde quasi alles aufgetischt, was die rumänische Küche so zu bieten hat und es schmeckte alles vorzüglich. Zwischendurch mussten wir eine Pause einlegen, um einen Kaffee zu trinken und zum Schluss wurde dann der selbstgebrannte Schnaps verkostet. Danach wurde es richtig lustig. Iulian legte Disco-Musik auf und Tische und Stühle wurden zur Seite gerückt und es wurde getanzt, zunächst noch etwas zurückhaltend und später immer ausgelassener und Frau Daje mittendrin, obwohl sie schon Mitte siebzig ist. Die Rumänen sind äußerst gastfreundlich und besonders gesellig und lebensfroh. Das zeigt sich auch immer wieder bei denen, die nicht viel besitzen. Es war ein rundum gelungener Abend und die meisten von uns fielen nach Mitternacht todmüde ins Bett. Aber einige von uns waren so in Stimmung, dass sie anschließend noch das Nachtleben von Campulung entdecken wollten. Sehen und gesehen werden ist wichtig, sagt Elke immer ;-) Na ja, dafür war es am nächsten Morgen relativ ruhig am Frühstückstisch …

 

Samstag, 08.07.

 

Wir trafen morgens wieder mit einer gut gefüllten Tasche mit Frühstücksleckereien für die Hunde im Shelter ein. Für die Hunde im Medi-Bereich ist es jeden Morgen etwas Besonderes, wenn sie die Wurst- und Käsestückchen und Rühreier-Häppchen naschen dürfen. Ich versuchte es auch bei der abgegebenen Goldi-Hündin, die ja bisher nichts fressen wollte, mit einem Stückchen Käse und siehe da, sie nahm es zaghaft an und schluckte. Nach und nach verschlang sie Wurst-, Käse- und Eierhäppchen und wurde langsam etwas zutraulicher. Wahrscheinlich wurde sie in ihrem bisherigen Zuhause auch nur mit Essensresten gefüttert und kannte einfach kein Hundefutter aus Dosen. Auch der schwarze Hund aus dem 6. OG, unser Kettenhund, der Hauthund und unsere frisch operierte Lula bekamen ihren Anteil an den Frückstückshäppchen.

 

Iulian wurde angerufen, es läge ein Hund in einem Graben, der sich nicht bewegte. Janet, Petra und Iulian fuhren zu der Stelle und fanden den Hund in einem Straßengraben liegend, nass und total unterkühlt. Kein Mensch weiss, wie lange er schon dort gelegen hat, ohne dass ihm jemand geholfen hätte. Sie fuhren mit ihm direkt zum Tierarzt und dort wurde festgestellt, dass sein Rückgrat mehrere Male gebrochen war und seine Körpertemperatur nur noch 32 Grad betrug. Ihm konnte leider nicht mehr geholfen werden und er wurde von seinen Leiden erlöst. Auch das gehört zum Tierschutz, leider.

 

Unterwegs überreichte eine Dame den dreien einen Karton mit einem Winzling von Hund, den sie angeblich auf der Straße gefunden hatte. Sie nahmen ihn mit ins Shelter und wir bereiteten ihm bzw. ihr ein kleines Kuschelkörbchen in einer Box, stellten ihr Futter und Wasser in die Box, was sie sofort hungrig und durstig annahm. Weil so ein kleines Hündchen im Shelter keine Überlebenschance hat, nahm Geanina, unsere Mitarbeiterin, sie mit zu sich nach Hause. Obwohl sie wenig Platz hat und eine kranke Mutter versorgen muss, nimmt sie ab und zu Welpen, kleinere Hunde und auch Katzenkinder mit zu sich nach Hause und päppelt sie auf. Wir waren alle sehr glücklich und dankbar, dass die kleine Jazz, so nannten wir das kleine Hündchen, nicht im Shelter bleiben musste.

 

Es gab auch eine freudige Überraschung an diesem Tag. Wie üblich hatten wir auch an diesem Morgen als erstes nach unserem Sorgenkind Tonic geschaut. Sie wirkte nicht mehr so apathisch und nach Begutachtung durch Doc Sarah und nachdem sie gut gefressen und getrunken hatte, entschied sie, dass Tonic jetzt wieder zu ihren Geschwistern in den Zwinger konnte. Ich weiß nicht, wie viele Steine mir vom Herzen gefallen sind. Sie hatte es wirklich geschafft !!! Danke an Sarah für die liebevolle und vorbildliche ärztliche Versorgung <3

 

Später am Abend saßen wir gemeinsam beim Abendessen in der Pizzeria AMADA. Bei leckerem Essen und gutem Wein und Bier (und manchmal auch Schnaps ;-) ) wurde über alles diskutiert, was wir so erlebt hatten und was noch erledigt werden mußte, wer welchen Hund ins Herz geschlossen hatte und welcher Hund unbedingt einen Pass bekommen sollte. Wir überlegten auch, welcher Name zu der abgegebenen Goldie-Hündin passte. Jessica meinte, wie wäre es mit „Amada“ und alle stimmten zu. So also kam unsere Amada zu ihrem schönen Namen. Auch unsere frisch kastrierte Glückskatze strich uns beim Essen wieder um die Beine. Sie hatte die Kastration gut überstanden.

 

Das Bezahlen im Restaurant war immer sehr lustig. In Rumänien ist es ja nicht üblich, dass jede Person eine Extra-Rechnung bekommt; sondern es wird pro Tisch abgerechnet und wir waren immer 12 Personen. Wir bekamen also eine Gesamtrechnung und teilten dann den Betrag durch 12 und jede von uns legte ihren Lei-Anteil plus Trinkgeld auf einen Haufen. Eine von uns musste dann am Schluss das Geld zählen, damit es am Ende nicht etwa zu viel war. Denn zu viel Trinkgeld ist auch nicht gut, das könnte uns evtl. falsch ausgelegt werden …

 

 

Sonntag, 09.07.

 

Heute war schon unser vorletzter Tag und da auch Sonntag war, hatten wir nur einen halben Tag im Shelter. Iulian legt großen Wert darauf, dass er und seine Mitarbeiter am Sonntag bereits mittags heimgehen dürfen, wenn sie schon nicht frei haben können. Die Mitarbeiter machen die Zwinger und die Ausläufe sauber, versorgen die Hunde mit frischem Wasser und füttern sie. Handwerkliche Tätigkeiten finden sonntags nicht statt; nur in ganz seltenen Notfällen.

 

Wir beeilten uns auch mit unseren täglichen Arbeiten und beschäftigten uns dann noch mit den Hunden. Es gab immer genug, die gestreichelt, gebürstet und fotografiert werden wollten und sollten.

 

Jede von uns besuchte noch einmal ihren Lieblingshund bzw. ihre Lieblingshunde. So war Beate2 oft im Zwinger von ihrer Abby anzutreffen, in die sie sich gleich am ersten Tag verliebt hatte. Abby lebt mittlerweile glücklich bei ihr in Karlsruhe. Maria hatte sich in die kleine Läuse-Maus verliebt, die in der Zwischenzeit auch schon bei ihr eingezogen ist, obwohl wir lange Zeit nicht wußten, ob sie es schafft, da sie noch sehr klein war. Tonic, die kleine Staupe-Hündin durfte zu einer Freundin von Sarah ziehen. Filou, der Kettenhund ist bereits vermittelt und genießt seine Freiheit ohne Kette. Pearl, Janet’s Auserwählte aus den Katakomben lebt inzwischen glücklich mit ihrem Hundekumpel im Karlsruher Raum. Amada, die abgegebene Goldie-Hündin kam zu Jessica zur Pflege und wurde bereits erfolgreich vermittelt. Lula, die ältere Hündin mit dem Tumor durfte auf einen befreundeten Gnadenhof in Kaltental ziehen und genießt dort ihren Lebensabend. Thea, der kleine Panda-Bär wurde von einer Freundin von Petra adoptiert. Paul, mein Patenhund und Liebling bereits vom letzten Jahr und Ronja, die Schöne, kamen in ein befreundetes Tierheim in Deutschland und sind bereits beide glücklich vermittelt. Das kleine wuschelige Geschwisterchen von Abby lebt jetzt bei Elke’s Nichte. Außerdem konnten in der Zwischenzeit viele Hunde ausreisen, die ich hier in diesem Bericht nicht erwähnt habe. Die Hunde, die man persönlich kennen gelernt hat, liegen einem einfach besonders am Herzen.

 

Nachmittags wollten wir einen Ausflug in die Umgebung von Campulung machen. Elke konnte leider nicht mitfahren; sie hatte noch wichtige Vereinsarbeit zu erledigen, und Simone war schon am Samstag wegen eines Familienfestes nach Hause geflogen. Jessica und Maria wollten nach Bran zum Dracula-Schloß, welches wir schon letztes Jahr besichtigt hatten. So teilten wir uns auf und fuhren dann zu acht in 2 Pkw’s los.

 

Es ging durch kleine Dörfer mit teilweise sehr schönen Häusern, aber manchmal sah man auch ältere verfallene Häuser. Sonntags sitzen die älteren Bewohner oftmals auf einer Bank vor dem Haus oder direkt an der Straße und beobachten das Geschehen auf der Straße. Kühe und Pferde grasen friedlich am Straßenrand, aber manchmal laufen sie auch einfach auf der Straße und >stören< den Verkehr, was sie selbst aber weniger stört. Als wir uns weiter von der Stadt entfernten, fuhren wir durch wunderbare Landschaften, leicht hügelig, alles grün und teilweise unberührt. So schön stellt man sich Rumänien gar nicht vor, weil man meistens mit dem Straßenhunde-Problem beschäftigt ist. Je weiter wir kamen, desto felsiger wurde es. Die Straße führte wie durch eine Schlucht, rechts und links von hohen Felsen eingesäumt; eine traumhafte Kulisse. Wir machten mehrere Stopps, bestaunten die Vielzahl der Pflanzen und kühlten uns ab in einem kleinen flachen Bach, dessen Wasser allerdings eiskalt war. An einer größeren Wiese am Bach sahen wir viele Rumänen, die mit der ganzen Familie dort ihren Sonntag verbrachten, die sich sonnten, Essen und Trinken dabei hatten, sich im Bach abkühlten und die Kinder spielten auf der Wiese. Ein sehr idyllisches Bild.

 

Am Abend trafen wir uns dann alle zu unserem letzten gemeinsamen Abendessen und die Stimmung war schon etwas bedrückt, weil die Tage so schnell vergangen waren. Es gibt immer so viel zu tun und man möchte so viel bewegen, aber oftmals wird der Plan dann hinfällig, weil so viele unerwartete Dinge dazwischen kommen. Wir geben uns die größte Mühe, so viel wie möglich zu helfen und doch hat man das Gefühl, dass es nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist. Aber wie heißt es so schön, auch viele Tropfen ergeben einen See.

 

 

Montag, 10.07.

 

Noch einmal frühstücken bei Nana in unserer Pension Casa Blanca. Noch einmal einige Leckereien für unsere Hunde einsammeln, die sich doch so sehr darüber freuen. Bevor wir noch ein letztes Mal für diesen Sommer ins Shelter fuhren, mussten wir uns von Jessica und Maria verabschieden, die schon mittags ihren Flug zurück nach Deutschland hatten. Man muss einige Stunden Fahrt einplanen von Campulung bis Bukarest, weil nie weiß, wie gut man durchkommt und dann muss man ja auch noch das Mietauto abgeben und das kann manchmal auch dauern. Unser Flug ging erst am späten Nachmittag, deshalb konnten wir bis mittags noch einmal ins Shelter fahren, um Abschied zu nehmen, Abschied nehmen von all den vielen tollen Hunden und Abschied nehmen von den lieben Menschen, die einem mit der Zeit auch ans Herz gewachsen sind. Abschied nehmen mit vielen Tränen, aber auch mit dem Versprechen, wir kommen wieder, wir lassen euch nicht im Stich. Das gilt auf jeden Fall für die, die schon einmal in Campulung waren. Ob es auch für die >Neuen< gilt, wissen wir nicht. Meistens ist es jedoch so, dass einem dieses Campulung nicht mehr los lässt und man einfach immer wieder kommt. So geht es mir jedenfalls.

 

Wir halfen also noch ein letztes Mal beim Welpen füttern und Saubermachen der Boxen und Zwinger, spülten die Hundenäpfe, schauten nach den kranken Hunden und verabschiedeten uns dann.

 

Elke und Beate1, die noch einige Tage in Rumänien am Meer Urlaub machen wollten, konnten am Vormittag noch die lang ersehnten Paletten mit den Spenden aus Deutschland in Empfang nehmen. Wir hätten gerne geholfen, hatten aber leider keine Zeit mehr.

 

Über unsere Heimreise gibt es nicht viel zu berichten. Im Gegensatz zu unserem Hinflug und unserer Hinfahrt verlief eigentlich alles sehr unspektakulär; sogar die Rückgabe unserer Mietautos ging so schnell und problemlos, dass wir alle ziemlich erstaunt waren. Dabei hatten wir gerade dafür viel Zeit eingeplant ;-) Jetzt konnten wir diese Zeit für ein gemütliches Kaffeetrinken am Flughafen-Restaurant nutzen.

 

Am späten Abend waren wir dann alle wieder glücklich zu Hause angelangt.

 


 

Von Jessica Weller

 

Endlich wieder nach Campulung! Drei Jahre ist es tatsächlich schon her, dass ich selbst das letzte Mal vor Ort war. Ich bin gespannt, was sich verändert hat und freue mich, die Mitarbeiter wiederzusehen!

 

Maria und ich starten am 03.07. von Düsseldorf nach Bukarest. Der Rest der Gruppe ist schon am 01.07. geflogen. Flug und Mietwagen-Übernahme funktionieren problemlos und so starten wir nach Campulung, wo die anderen uns schon in der Pension erwarten. Morgen früh geht es ins Shelter!

 

04.07. Erster Tag im Shelter

 

Heute war also mein erster Shelter-Tag und es war direkt viel zu tun. Beim ersten Rundgang fiel erstmal vor allem eins in den Blick: Welpen, Welpen, Welpen – was für eine Flut. Und dass trotz der sehr erfolgreich laufenden Kastrationsaktionen. Nach einem kurzen Überblick ging es dann auch direkt los: Morgens ist im Shelter erstmal immer reinigen der Zwinger und des Geländes angesagt, für mittags hatte sich der Futterlieferant mit 3,5 Tonnen Futter angekündigt (das wir dank eurer Spenden bestellen konnten) und zwischendurch war immer mal Zeit für Schmuseeinheiten, medizinische Versorgung und Fellpflege. So ist der Tag wie im Flug vergangen.

 

05.07. Zweiter Tag im Shelter

 

Es ist kein Tag wie der andere - aber das kennen wir ja schon. Heute lagen die schönen und schrecklichen Dinge wieder dicht beieinander...
Heute Morgen haben wir erstmal wieder mit den üblichen Tätigkeiten begonnen: Bei den Patienten im Medi-Bereich vorbeischauen, Zwinger saubermachen, etc.
Dann kam unser Dorin mit zwei eingefangenen Hunden zurück. Ein ganz netter älterer Rüde mit schlimmer Rute - er hat sie sich wahrscheinlich aufgrund von Flöhen oder Milben se
lbst total kaputt gebissen und noch ein junger Rüde. Dieser scheint seit Welpenalter an der Kette gelegen zu haben. Die Kette war inzwischen - weil so ein Welpe ja auch wächst - in den Hals eingewachsen. Der Besitzer (ein alter Mann) konnte sich nicht mehr kümmern und die Nachbarn haben Dorin verständigt. Die Bilder erspare ich euch, aber wir bekommen sie wahrscheinlich wieder hin. Zum Glück haben wir eine Ärztin unter uns.
Daneben gibt es aber auch die vielen schönen Momente. Hunde, die sich über Streicheleinheiten freuen. Ein Haufen fröhlicher Welpen, von denen wir heute 13 entwurmt haben. Ein stetiges Auf und Ab - aber wir geben nicht auf! Die Situation hier im Shelter wird von Jahr zu Jahr besser!

 

06.07. Dritter Tag im Shelter

 

Heute war ich viel im "Welpen-Kindergarten" unterwegs, um die Mäuschen an den Umgang mit Menschen zu gewöhnen. Wir hoffen immer, dass alle durchkommen und eventuell ein tolles Zuhause finden. Leider wurden heute schon wieder zehn neue Welpen abgegeben. Aber wenigstens waren alle Besitzer bereit, die Hündinnen kastrieren zu lassen und zu behalten.
Ansonsten waren heute viele tägliche Arbeiten zu erledigen - sauber machen, anpacken wo es gebraucht wird, den Hunden etwas Aufmerksamkeit schenken (wofür unseren tollen Mitarbeitern sonst schlicht die Zeit fehlt).
Nach der Arbeit im Shelter waren wir noch alle zusammen auf dem neuen Grundstück, auf dem der Tierheim-Neubau entsteht und haben uns den Baufortschritt angesehen.

 

07.07. Vierter Tag im Shelter

 

Heute Morgen stand erstmal wieder Welpen entwurmen auf dem Programm. Die 13er Bande hat eine Wiederholung bekommen, genauso wie die Chaostruppe vorne im Medi-Bereich, die nächste Woche ausreisen darf. Dann waren wir bei Mama Jamila mit ihren vier Welpen (die hübsche schwarz-weiße, die neben den 13 Welpen wohnt) und haben Mama und Welpen entwurmt. Sie ist mittlerweile so zutraulich, dass sie uns rein und die Welpen greifen lässt. Anfangs konnte man sich dem Zwinger gar nicht nähern ohne angeknurrt zu werden. Ein Welpe von ihr musste dann noch zum Tierarzt, da er eine eitrige Entzündung an der Schnauze hatte.
Danach waren ein paar Härtefälle zur Fellpflege dran. Unser Chow-Chow zieht nächste Woche in sein neues Zuhause und wurde reiseschick gemacht und eine ältere Hündin mussten wir teilweise scheren, weil die Haut vor lauter Filz keine Luft mehr bekam.
Vier Hunde konnten heute Mittag den Weg in ein neues Zuhause antreten. Aber es wird nicht leerer. Am Nachmittag hat ein Mann seine Hündin zu uns gebracht, die nicht mit nach Bukarest umziehen kann. Die arme Maus (wir haben sie Amada genannt) versteht die Welt nicht mehr...

 

08.07. Fünfter Tag im Shelter

 

Tag 5 im Shelter und tatsächlich schon der vorletzte Tag - Montag geht's schon wieder heimwärts.
Heute Morgen war erst mal medizinische Versorgung angesagt - der Hals von unserem Kettenhund sieht schon viel besser aus. Der kleine Welpe von Jamila mit der dicken Backe musste erneut punktiert und antibiotisch behandelt werden. Danach haben wir ihn und seine Geschwister auch direkt ein zweites Mal entwurmt.
Einen Neuzugang haben wir leider auch schon wieder. Eine kleine Chihuah
ua(-Mix)-Hündin, vielleicht sechs Wochen alt, die alleine auf der Straße gefunden wurde.
Unser „Ölhund“ Petro durfte heute in einen größeren Zwinger umziehen, wo er sich weiter erholen kann.
Danach gab es noch etwas Fellpflege für die ganz Kleinen und Spielzeug für den Kindergarten.
Ihr seht - kein Tag ist wie der andere. Mal sehen, was der morgige bringt (außer dem sehr schweren Abschied)...

 

09.07. Sechster und letzter Tag im Shelter

 

Der letzte Shelter-Tag für dieses Jahr. Ich habe viel Zeit damit verbracht, mich von allen Hunden zu verabschieden, die mir in der letzten Woche so sehr ans Herz gewachsen sind. Vor allem von Jamila – der hübschen schwarz-weißen Mama, die anfangs so aggressiv war und sich nach ein paar Tagen Beschäftigung mit ihr mittlerweile anfassen lässt. Man läuft dann doch den ganzen Tag mit einem Kloß im Hals rum...
Neben der üblichen medizinischen Versorgung haben wir noch ein paar Hunde gechippt und geimpft, damit sie in die Vermittlung aufgenommen werden können. Unter anderem Amada - die Hündin, die diese Woche von ihren Besitzern abgegeben wurde und so sehr trauert... Sie wird, sobald sie ausreisen kann, zu mir auf Pflegestelle kommen.
Sonntag ist für unsere Mitarbeiter nur ein halber Arbeitstag. Zur Ablenkung sind Maria und ich dann am Nachmittag noch nach Bran gefahren und haben dort das Schloss besucht.

 

10.07. Heimflug

 

Wie schnell eine Woche doch immer vergehen kann, ist erstaunlich. Wir fahren mit gemischten Gefühlen nach Hause. Einerseits ist sichtbar, wie sehr sich die Situation für die Hunde seit meinem ersten Besuch 2013 deutlich verbessert. Sie haben Hütten, durch die Spenden können wir (meistens) ausreichend für Futter sorgen, es gibt selten Beißereien, weniger kranke Hunde. Aber es ist alles fürchterlich beengt, schwer sauber zu halten durch den unbefestigten Boden, schlechte Lagermöglichkeiten… Es ist total wichtig, dass der Neubau schnellstmöglich abgeschlossen wird und die Hunde umziehen können. Vielleicht kann ich nächstes Jahr schon dabei helfen.