Reiseberichte 2014


Campulung – ein Reisebericht (August 2014)

 

Was passiert eigentlich, wenn es so etwas wie das Tierheim in Campunlung - mit all seinen Unterstützern und Helfern - nicht gibt?

Ich habe es erlebt, in Gaesti, einer kleinen Stadt zwischen Pitesti und Bukarest. Im Rahmen meines Studiums der Veterinärmedizin absovierte ich in der dortigen Tierarztpraxis ein Praktikum. In Gaesti regelt die Stadt das Thema Straßenhunde, das bedeutet dass 10 Boxen nach und nach mit eingefangenen Hunden gefüllt werden, bis zu 10 Hunde pro Box. Sind diese dann voll belegt, werden alle Hunde euthanasiert. Gesunde, lebensfrohe, freundliche, soziale Hunde.

 

Nach dieser Erfahrung habe ich mich auf den Weg gemacht, um Alternativen zu sehen. Denn das kann und darf nicht die Lösung sein! Durch Zufall fand ich die Hompage der „Straßenhunde Campulung“ und schon wenige Telefonate und Tage später wurde ich auf dem Bahnhof in Campulung herzlichst empfangen.

Und dann erst die Begrüßung im Tierheim – von allen Seiten freundliche Hunde, nach Aufmerksamkeit und Streicheleinheiten bettelnd, manche laut und stürmisch, andere eher schüchtern. Der Rundgang durch das komplette Tierheim nahm mehrere Stunden in Anspruch. Oana und Iulian zeigten und erklärten mir alles, viele Probleme wurden erläutert aber ebensoviel schon Geleistetes stolz gezeigt. Ich war begeistert, die Hunde werden mit Namen angesprochen und liebevoll werden die Geschichten der einzelnen Schützlinge erzählt.


Nach all diesen Eindrücken kam dann die unvermeidbare Frage – wo fangen wir an? Was ist das wichtigste, womit kann ich in den 10 Tagen, die ich in Campulung verbringe am meisten helfen? Neben der Behandlung der offensichtlich kranken Hunde entschied ich mich dazu, soviele wie möglich der langhaarigen Hunde von ihrem verfilzten Fell zu befreien. Bei fast 40°C doch eine große Erleichterung.

Und so kamen unter manchen Fellbergen noch einige zusätzliche Überraschungen zum Vorschein. Entzündete Ohren, kleinere Wunden, Parasiten und vereiterte Zähne – zum Glück können Dorin und Iulian hervorragend mit dem Blasrohr umgehen, sodass wir auch den scheuen Hunden helfen konnten.


Und dann gab es noch einen besonderen kleinen Patienten – Toto. Toto hat ein gelähmtes Vorderbein, dass er sich in Stressituationen wund leckte. So blieb nurnoch die Amputation um schlimme Infektionen zu vermeiden. Dr. Zidaru führte diese schwierige Operation durch. Bei diesem tollen Tierarzt und seinem Kollegen Dr. Visoru durfte ich sowohl bei Totos Operation als auch bei den Kastrationen assistieren und dabei viel lernen.


Toto hat seine Operation gut überstanden und sich auch mit seinem Halskragen arangiert.

 

Am Tag meiner Abreise konnte ich dem kleinen Kämpfer das letzte Antibiotikum verabreichen und bin mir sicher, dass ihm jetzt nurnoch ein tolles neues Zuhause zu seinem Glück fehlt. Ich wünsche es ihm von Herzen!

 

Und ja, Campulung ist ein ganz besonderer Ort! Zum einen, weil hier besondere Menschen unermüdlich und liebevoll um jeden einzelnen Hund kämpfen. Und dabei ihren Humor behalten. Und sich trotz all der harten Arbeit darüber freuen können, wie die Welpen spielen. Oder wie ein alter, blinder Hund wieder Lebensfreude findet. Oder wie die Hunde besonderes leckeres Fleisch gierig verspeisen. Die Kleinigkeiten zu schätzen wird in Campulung gelebt.

 

Zum anderen, weil es ein Ort ist, der so viele Menschen unterschiedlicher Herkunft vernetzt und verbindet. Die Tierärzte aus Holand, die Tierschutzorganisationen aus Deutschland und Österreich, die rumänischen Tierschützer, alle haben ein gemeinsames Ziel – ein lebenswertes Leben für die Straßenhunde. Man arbeitet gemeinsam und überwindet die Sprachbarrieren.

 

Aber alle wissen um die Probleme. Die unbezahlten Tierarztrechnungen, die hohen Futterkosten, die fehlenden Unterbringungsmöglicheiten für Hunde die alt sind oder krank, oder sich nicht gut mit Artgenossen verstehen, den ewigen Kampf gegen den Dreck auf den teilweise unbefestigten Gehegeböden und die Gefahr der Ausbreitung von Infektionskrankheiten. Und natürlich das Damoklesschwert des Umzugs in das neue Tierheim, das erst noch entstehen muss.

 

Die Rumänen allein können das Problem der Straßenhunde nicht lösen. Aber mit unserer Hilfe, sei es vor Ort oder als Spende kann es gelingen. Campulung ist der Beweis, für den es sich zu kämpfen lohnt!

 

Christin Harre

Studentin der Veterinärmedizin in Leipzig, 10. Semester


Reisebericht Campulung, Juli 2014 (leider nur 5 Tage…)


Am Samstag, 12.07.14 gings ganz frühmorgens los Richtung München. Nicht besonders schön zu fahren, sind doch sowohl die A 5 als auch die A 8 zur Zeit nicht gerade ein Genuss… Baustellen, Staus, Baustellen, Staus… naja egal, ich kam rechtzeitig an. Mein Shuttle-Parkplatz war für meine Ankunft bereit und mein Auto und ich wurden sehr nett empfangen (Park 24 ! lohnt sich echt, sie legen jetzt sogar unsere Flyer aus). Eine nette Dame fuhr mich dann umgehend an mein Terminal am Flughafen, so dass ich völlig stressfrei (das geht bei mir zwar fast nicht, wenns ums Fliegen geht… ) ein paar Meter vorm Check-in ankam.

Wie es sich für eine rumänische Fluggesellschaft gehört, durfte ich gleich schon mal üben, was mich in Rumänien sowieso erwartet: „timp si rabdare“ (Zeit und Geduld). Wir mussten solange anstehen, dass wir Passagiere ALLE direkt nach dem Check-in in den Flieger einsteigen mussten.

Ein gemütliches Frühstück nach dem Check-in, was eigentlich geplant war, war natürlich NICHT mehr drin, so stieg ich eben todesmutig, hungrig und ein wenig zittrig in das Flugzeug ein.  „Wider Erwarten“ ha ha! Kam ich völlig unversehrt in Sibiu an…

Dort bekam ich einen kleinen, pfiffigen Leihwagen und fuhr zur Familie Hoprich, die unweit vom Flughafen wohnt und die uns immer treu unsere Sachspenden mit nach Rumänien nimmt, wenn sie wieder mal einen Deutschlandbesuch machen.

Mein Auto war klein, aber oho…


Die Fahrt von Sibiu nach Campulung liebe ich sehr, fahre ich doch übers Gebirge. Sibiu – Fagaras – Brasov – Bran – Campulung! Schöner geht’s nicht!

Angekommen in Campulung fiel ich müde in mein Bettchen im meinem Lieblinszimmer im Hotel „CasaBlanca“.

Topfit am nächsten Morgen gings los! Ab ins Tierheim! Was werden mich wohl für Probleme erwarten? Was machen „unsere“ Hunde? Was hat sich seit meinem letzten Besuch dank der Aktion der Pfötchen und der Kastrationsaktion der Holländer alles Positives getan?

Zuerst begrüsste ich natürlich Oana, Iulian und Dorin und dann nach und nach unsere weiteren lieben Mitarbeiter.

Ein Rundgang durchs ganze Tierheim – ein Muß - !

Unsere Hunde sind in einem guten bis sehr guten Gesundheits- und Ernährungszustand, medizinische Notfälle werden meist umgehend erkannt und entsprechende medizinische Versorgung eingeleitet.

Probleme sind natürlich da, hauptsächlich bezüglich der Massen an Hunden: es werden dringend weitere, neue Abteile / Zwinger gebraucht um neue Hunde von den alten Hunden zu trennen, um Rangkämpfe zum Teil mit Todesfolge zu vermeiden. Bei der „Pfötchen“ – Aktion wurden schon einige neue Abteile gebaut, was sehr hilfreich ist. Aber leider noch lange nicht genug.

Tierarztbesuche, Gespräche über Probleme, Zukunftsgedanken und ähnliches folgten noch sehr viele an diesem schönen Tag.

 

Am nächsten Tag wurde es spannend, standen mir doch einige Rettungsaktionen bevor…

Zwei klitzekleine Welpen (dackelähnlich) waren in der Krankenstation, sie erschienen mir topfit und noch nicht angesteckt mit irgendeiner schrecklichen Hundekrankheit wie Staupe oder Parvovirose, wie sie leider im Tierheim hausieren. Zum Impfen waren sie jedoch zu jung, was tun? Am Besten ausquartieren - gesagt, getan, ein Freund von Dorin erklärte sich bereit, diese zwei kleinen Damen bei sich aufzunehmen, bis sie aus dem Gröbsten heraus gewachsen sind. Er heißt Serafin und ist ein großer Hunde- und Katzenfreund mit schönen Bedingungen dafür (Grundstück, Hütte usw.).


Bei einem unserer vielen Tierarztbesuche sprach mich dann eine Frau an, die ein krankes Kätzchen dabei hatte. Sie erzählte mir, sie wohnt unweit von Campulung in ihrem Ferienhaus und dieses Kätzchen wurde bei ihr über den Zaun geworfen, da sie aber wieder zurück in ihre Wohnung nach Bukarest müsse, fragte sie uns ob wir helfen könnten.

Au Mann, da haben mal wieder alle Alarmglocken und die letzten Gehirnzellen gearbeitet, um schnellstmöglich eine Lösung zu finden…

Schon am nächsten Tag hatten wir – dank Dorin bzw. seinem Freund Serafin – eine gute Lösung gefunden, auch diese kleine Maus durfte bei Serafin einziehen, aber nicht auf dem Hundegrundstück, sondern ganz exklusiv in seiner Wohnung bei seinen anderen Katzen.

Bei unseren mehrmaligen Serafin-Besuchen lernten wir dessen Nachbarin, eine süße Oma kennen, sie hatte eine kleine, unkastrierte Hündin. Dorin erklärte ihr, dass es besser sei, diese kastrieren zu lassen, zu viele Straßenhunde gibt es und es würde somit weiteres Leid verhindern. Sie war SEHR skeptisch und erzählte uns, dass schon ihre Großmutter immer die überflüssigen Welpen auf der Straße entsorgt hätte.

Ok, wir waren frustiert. Aber siehe da, wir kamen ein weiteres Mal und sie hatte sich umentschieden, sie gab uns die kleine Hündin zur Kastration mit! Super, oder? Die Bevölkerung braucht Zeit, Verständnis und Hilfe!

Wieder am nächsten Morgen saß ich in meiner Lieblings-Cafeteria in der Stadt um zu frühstücken (meine Hotelchefin steht immer erst um 9 Uhr auf und muß dann erst noch mühsam das Frühstück zubereiten, das dauert mir einfach zu lange - wie war das mit Zeit und Geduld? Neee also beim Frühstück nicht, sorry…

Und was sah ich da plötzlich unbeholfen auf dem Bürgersteig herumstolpern? Ein zuckersüßer Welpe… alleine, hilflos, direkt an der Hauptstraße in Campulung!

 

Ich sprang auf, um sie zu retten. Niemand hatte was gesehen, alle sagten „nu stiu“ (ich weiß nicht…).

Auf zum Tierarzt, sie ist noch gesund, sie wird geimpft und entwurmt und dann ab zur Shelter-Carmen (ehemalige Mitarbeiterin) nach Hause, dort ist sie vor Krankheiten sicher und wird sehr gut versorgt. Sie hilft uns diesbezüglich sehr zuverlässig.

An meinem letzten ganzen Tag in Campulung stand dann endlich unser Termin mit dem Bürgermeister an… lange hatten wir darauf gewartet (timp si rabdare!). Leider hatte er nicht – wie ich eigentlich erhofft hatte - alle seine Hausaufgaben erledigt... Aber nun ja, doch, er hat uns ein Schreiben vorgelegt, dass die Stadt sich tatsächlich dafür entschieden hat uns 1,5 Hektar Land kostenlos zur Verfügung zu stellen. Alles weitere muß noch entschieden, gemacht, geplant werden. ABER wofür hat er uns? Wir werden das selbstverständlich alles erledigen, planen und wieder vorlegen, was sonst?

So schnell wird er uns nicht mehr los… haha!!!

Danach schnell ins Auto und nach Mioveni, hier wird gerade ein Tierheim gebaut, das nach ähnlichen Vorgaben wie unser Zukunftsprojekt erbaut wird - also das muß ich natürlich sehen! Es hat in Strömen geregnet, es war alles schlammig und keiner war da. So mussten wir am Zaun entlang das Tierheim besichtigen und was sah ich da? Ein kleines, nackiges, trauriges, verlassenes Etwas, zusammengekauert in einem der neuen Zwinger ohne Hütte und ganz alleine…   Meine Reaktion: DORIN, IULIAN, diesen Hund möchte ich SOFORT haben!!! Klettern wir über den Zaun? Dorin und Iulian schauten mich mit großen Augen an. In diesem Moment kam ENDLICH ein Tierheimwärter aus einem weiter entfernten Wohncontainer heraus und öffnete uns tatsächlich die Tür.  Wir besichtigten dann das noch im Bau befindliche neue Tierheim, ich lief aber zielstrebig in Richtung „meines“ Hündchens, öffnete den Zwinger und fragte den Wärter ob ich dieses wunderbare Geschöpf mitnehmen könne. Das ist eigentlich alles nicht so einfach, denn normalerweise werden ja alle Hunde bei Eingang ins Tierheim gechipt und registrier… Aber diese kleine Dame war wohl erst kurz zuvor eingeliefert worden und somit sozusagen noch vogelfrei. Der Wärter lachte (ich weiß nicht, ob aus Freude oder weil er mich einfach nur irre fand…) und sagte „na klar“ und dieses nasse, von Sarkoptesräude zerfressende Etwas war schneller auf meinem Arm als ihr euch denken könnt.


Hurra! Geschafft! Sie darf mit! Klar, vernünftig war es nicht, aber bei uns ist sie in Sicherheit und wird sehr gut von Iulian und den anderen medizinisch versorgt und sobald sie größer und gesund ist natürlich sofort kastriert!


Danach ging es ab wieder zurück nach Campulung, unser Gespräch mit dem Architekt stand an. Dieser Mann ist für uns Gold wert, das kann ich euch vergewissern! Er hat sehr gute, sparsame und dennoch zweckmäßige Ideen, weiß mit der rumänischen „Bürokratie“ umzugehen und hat uns auch Hilfe bei der Umsetzung zugesichert! Er mag Hunde und möchte persönlich etwas Positives zu unserem großen Projekt beisteuern! Toll! Bin begeistert!

Probleme, die es ja mehr als genug in Campulung gibt, könnt ihr in unserem Hilferuf nachlesen… darauf möchte ich hier nicht näher eingehen..


An meinem letzten Tag, der ja nur kurz dauerte, da ich ja los zum Flughafen musste, machten wir noch ein paar schöne Bilder mit den Mitarbeitern… es war super lustig und hat uns allen sehr viel Freude gemacht!

 

Auf Wiedersehen Campulung auf dass es bei jedem Besuch ein kleines Stückchen aufwärts geht…


Reisebericht April 2014

 


Wie es losgeht? Wie immer eigentlich. Packen, Futtersäcke und Spenden stapeln, schleppen, sortieren.

 Das Auto muß – wie jedes Mal – Höchstleistungen vollbringen; und das fängt beim Beladen schon an:

 Hintersitz raus – Spenden rein, bis wirklich absolut NICHTS mehr geht…!

Ok, ein wenig Platz musste ich noch lassen, es stand ja noch ein Besuch in München, bei unseren lieben Freunden den Tierengeln e.V. und ein Besuch in Wien bei unseren lieben Freunden Fellino – Fellnasen in Not – bevor. Bei Beiden sollte ja noch etwas hinzu kommen…

Es ist immer schön, Gleichgesinnte zu treffen, so war sowohl mein Treffen in München, als auch mein Treffen in Wien sehr nett und interessant und auch ermutigend für meine lange, bevorstehende Reise nach Campulung.

 

Nach 1.887 km und vielen vielen Stunden Autofahren, Autofahren, Autofahren war wir dann endlich da – mein treues Auto und ich.

 

Campulung? Ja, Campulung ist für mich zu meinem 2. Zuhause geworden. Wie gut und bekannt und vertraut ist mir in den letzten 5 Jahren doch alles geworden: die vielen Einbahnstraßen, die merkwürdigen Kreisverkehre, die „Verkehrsregeln“, diese wunderschöne Stadt mit ihren süßen Plätzen, Cafes, Restaurants und Geschäftchen.

Und mein Hotel: das CasaBlanca; hier werde ich nicht wie ein Hotelgast empfangen, NEIN, sondern wie ein Familienmitglied – einfach schön - .

 

Und dann das Wichtigste von Allem: die wunderbaren, liebevollen und ach so vielen vielen Hunden….

Die Ankunft im Tierheim – immer wieder ein berührendes Erlebnis - !

Die Mitarbeiter und auch die Leitung sind froh über unsere stetige Hilfe und kann doch bei einem persönlichen Besuch, das ein oder andere Problem vor Ort  besser geklärt werden als übers Telefon oder Internet.


Knapp zwei Wochen wollte ich bleiben, tja, so war es dann nicht ganz… viele Probleme galt es zu lösen, so hängte ich noch zwei Tage dran und wie sollte es anders sein, wir bekamen tatsächlich trotz gewaltiger, anfänglicher Zweifel alle anstehenden Dinge erledigt bzw. Probleme weitestgehenst gelöst.

 

Die erste Woche war ein wenig problematisch, ich will nicht sagen frustrierend…

Die Tierheimleitung/Mitarbeiter überschütteten mich mit Problemen, Fragen, Problemen usw. usw. und ich wusste anfangs gar nicht wo anfangen!

 

ABER ich lernte gleich in den ersten Tagen einen wunderbaren, für mich sehr wichtig werdenden Hund namens „Alfred“ kennen, er half ganz aktiv mit diese schwierigen Situationen zu überstehen!

 

Ich ging mit Oana durchs Tierheim, um einen bestimmten Hund medizinisch zu versorgen, auf dem Rückweg stand er da: völlig übergewichtig (häh?) und fast schon apathisch vor seiner Hütte - irgendetwas stimmte hier nicht.

 

Und was musste ich sehen? An beiden Vorderfüßen viel zu lange, bis ins Fleisch eingewachsene Krallen. Damit ist er unfähig auf dem vorhanden Kiesboden zu laufen, deshalb auch die Fettleibigkeit. Wäre er nicht in einem Zweierzwinger gewesen, wer weiß, ob er in den Rudeln eine Chance gehabt hätte… unvorstellbar!

 

Ok, gesehen, gehandelt: wir brachten ihn in den vorderen Medizinbereich und schnitten ihm die Krallen, er streckte dankbar ein Fuß nach dem anderen her, damit wir ihm diese Erleichterung verschaffen konnten. Ab diesem Augenblick war er „mein“ Alfred und ich „seine“ Elke. Es verging kein Tag, andem er mich nicht durch seinen herzzereissenden Blick und seine Dankbarkeit ermutigte und zum Weitermachen und Kämpfen antrieb.




Meine von Grund auf positive Einstellung wurde tagtäglich von diesem herrlichen Geschöpf neu aufgefrischt. Was hätte ich nur ohne ihn gemacht? Ich bin mir absolut nicht sicher, ob ich zwei Wochen durchgehalten hätte..

 

Wir bekamen die Probleme nach und nach in den Griff: eins nach dem anderen packten wir an.

 

Problem 1: Mikrochipaktion: das rumänische Veterinäramt hat uns die Auflage erteilt (neues Gesetz) unsere Tierheimhunde schnellstmöglichst mit einem Mikrochip zu versehen und von einem hierfür berechtigten Tierarzt eine Art Bestandsaufnahme durchzuführen und späterer Eintragung durch diesen Tierarzt im neuen, extra hierfür eingeführten rumänischen Hunderegisters. Eine Riesenbürokratie (man könnte fast meinen, man ist in Deutschland…ups!)

 

Mühsame Verhandlungen mit zwei in Frage kommenden Tierärzten, vielen Gesprächen unter uns (Tierheimleitung, Mitarbeiter und ich) und auch nach viel gekosteten Nerven kamen wir dann mit Dr. Ciuciuc auf einen guten Nenner.

 

Er ist nun der „Auserwählte“ der unser Hunde bzw. unser Tierheim registriertechnisch auf Vordermann bringt und auch das in Zukunft tut. Er hat sehr viel Erfahrung in diesen bürokratischen Dingen, was ein sehr großer Vorteil für uns und die Hunde ist.

Dr. Zidaru kam leider nicht in Frage, da er aufgrund seiner gut gehenden Praxis in der Stadt hierfür leider absolut keine Zeit hat… mit ihm wären wir sicher schnell einig geworden, aber man kann nicht alles haben.

Auch Dr. Ciuciuc wird seine Sache / Arbeit gut machen!

 

 

Problem 2: Unser Vertrag über die Nutzung des jetzigen Grundstückes läuft im November 2014 aus… ein RIESENGROßES PROBLEM!! Hier hatte ich bis zuletzt ein sehr mulmiges Gefühl, traten doch Gerüchte auf, die Herren Bürgermeister der Stadt Campulung seien nicht bereit zu helfen. Das konnte und wollte ich nicht glauben, hatten sie doch im Januar, bei meinem letzten Besuch so einen guten, seriösen und hilfsbereiten Eindruck auf mich gemacht; hatte ich mich soooo getäuscht???

 

Außerdem muß nach dem neuen, rum. Gesetz jede Stadt ein Tierheim aufweisen, ohne uns hätten sie die Wahl: entweder sie haben Keines oder sie bauen ein kleines, widerliches, kostengünstiges Tierheim, indem dann logischerweise getötet werden muß, da ja nicht genug Platz wäre…

 

ABER unsere Bürgermeister sind NICHT so!!!! Das will ich hier groß betonen!

 

Ich hatte mich NICHT getäuscht! Was für ein Glück!! Ich bestand auf ein persönliches Treffen, das dauerte genau eine Woche, bis das endlich möglich war… Vorgespräche mit einer neu gewonnen Übersetzerin und mit der Tierheimleitung vor Ort und mit den Mitarbeitern fanden statt, wir waren SEHR GUT vorbereitet.

 

Dann die große Enttäuschung, der Termin wurde nochmals um drei Tage nach hinten verschoben…!!!

 

In Rumänien regt sich über so etwas niemand auf, weder die Übersetzerin, die ja extra gekommen ist, die Tierheimleitung, die Mitarbeiter… Das ist halt so und wird in Kauf genommen. Ich kann euch sagen, was diese Einstellung betrifft, können wir Deutschen uns eine Scheibe abschneiden und uns das ein oder andere Magengeschwür ersparen.

 

Im ersten Moment war ich geschockt, enttäuscht, wütend, traurig und ich weiß nicht was… aber wir vereinbarten eben diesen neuen Termin und ich kündigte an, das ich bei Nichteinhalten das Rathaus stürme - das fanden dann alle lustig und so hatten wir dann trotz allem noch einen richtig netten Tag… mit großer Hoffnung auf unser Treffen!

 

Drei Tage später war es dann soweit; ich war sooo aufgeregt..! Ca. 1.000 Hunde wären ohne Obdach, wenn wir jetzt keinen Erfolg haben. Da steigt der Druck!

 

ABER um es kurz zu machen: ES WAR SUPER!!!

 

Der Vizebürgermeister war extrem kooperativ, freundlich, hilfsbereit und sehr gut auf unser Treffen vorbereitet; er hatte tatsächlich seine „Hausaufgaben“ gemacht. Ich war sehr erfreut und wahnsinnig erleichtert, dass er so kooperationsbereit auf uns zukam. Er griff unsere Bitten auf, nahm unsere Probleme ernst und bot uns sogar Lösungsansätze an. Auf unsere Forderung zur Bereitstellung eines entsprechenden Grundstückes antwortete er: „aber das ist doch viel zu klein, ihr braucht ein Größeres…"

 

Ich war total baff, zuerst hörte ich mir die Erklärungen der Übersetzerin an (ich hatte zwar schon einiges verstanden, aber war mir nicht wirklich sicher, ob er das tatsächlich gesagt hat…), dann war ich absolut euphorisch, glücklich, zufrieden. Sicher ob ich träume, war ich mir ehrlich gesagt nicht…

Zusammenfassend ist nun folgendes bei unserem ach so erfolgreichen Gespräch herausgekommen:

 Asociatia Anima bekommt ein entsprechendes Grundstück kostenlos von der Stadt für 49 Jahre zur Verfügung gestellt. Wasser- und Elektrizität wird von der Stadt gelegt und bezahlt.

 Wir bzw. Asociatia Anima beginnt danach schnellstmöglich mit dem Tierheimneubau nach EU-Norm.

 Natürlich Stück für Stück, nicht alles auf einmal… solange dürfen wir auf dem jetzigen Gelände bleiben – kostenfrei versteht sich - ! IST DAS NICHT WUNDERBAR???

 

 

Problem 3: Löhne Seit April 2014 sind ENDLICH alle Angestellten vom Tierheim richtig bei Asociatia Anima angestellt, d.h. mit einem offiziellen Arbeitsvertrag und mit allen Sozialleistungen (Krankenversicherung, Rente etc.) und sie erhalten alle den gesetzlichen Mindestlohn, das ist in Rumänien nicht selbstverständlich! Darauf sind wir besonders stolz, da wir ja darauf bedacht sind auch den Menschen bessere Bedingungen zu ermöglichen.

 ABER: das kostet uns einen RIESENBATZEN an Geld monatlich! Fixkosten, die uns auffressen…

 Wir haben nach Lösungsansätzen gesucht… die einzige Möglichkeit, die wir gefunden haben: Spender motivieren! Anders geht’s nicht; wir müssen kämpfen, kämpfen, kämpfen!!!

 

Aber trotz all den Problemen war mein Aufenthalt in Campulung sehr vielversprechend und erfolgreich!

 

Mir ist das sehr gut geführte, wesentlich ordentlichere Tierheim aufgefallen. Es gibt mittlerweile eindeutige Zuständigkeiten der Mitarbeiter, was den Tagesablauf erleichtert und die Zustände insgesamt verbessert. Die Hunde sehen gut aus. Es werden aktiv verletzte, unkastrierte und auffällige Hunde in den Rudeln gesucht und entsprechend versorgt.

 

Dorin macht eine hervorragende, sehr anstrengende Arbeit mit den Hunden auf der Straße. Auch fährt er alle Privathunde, deren Besitzer an unserer großen Kastrationsaktion teilnehmen, zu Dr. Zidaru und danach wieder zu ihren Besitzern. Sensationell, wie er auch Werbung für diese ach so wichtige Aktion macht. Super!

 

Verletzte und kranke Hunde birgt er umgehend, er beherrscht einen perfekten Umgang mit dem Blasrohr, so dass die Hunde absolut stressfrei und vor allem schmerzfrei gefangen und geborgen werden können.

 Auch sein großes medizinische Wissen kommt ihm hierbei zu Gute. Kleinere Verletzungen versorgt er selbstverständlich selbst!

 

Über das geniale, rum. Essen muß ich nicht soviel berichten, man erkennt es an meiner wachsenden Körperfülle - in Rumänien isst man nicht nur gut, sondern auch üppig…

 Es gibt nirgends einen besseren Salat als in Campulung! (varza, rosie und castravete…/ Kraut, Tomate und Gurken) Herrlich!!!


Kaum zuhause schon wieder in freudiger Erwartung auf meinen nächsten Besuch! Heimweh? Na klar! Ist ja schließlich mein zweites Zuhause!